Ankunft der Überlebenden
Drei Tage später erreichen die ersten Versprengten die Nordfestung am Kargpass – ausgezehrt, halb wahnsinnig vor Erschöpfung, mit Geschichten, die sich kaum zu einem klaren Bild fügen wollen. Ser Bram Draven hört sich jeden einzelnen Bericht persönlich an, während seine Schreiber mitschreiben und seine Miene sich mit jedem Wort mehr verschließt.
Manche reden von Feuer, das aus dem Fels selbst gekommen sei. Andere von einem Donnern, das keine Lawine war. Bram lässt sie reden, ordnet nichts vorschnell ein – Männer, die dem Tod so knapp entronnen sind, erzählen selten dieselbe Geschichte zweimal. Doch was übrig bleibt, wenn man das Ungereimte beiseitelässt, ist schlimm genug: Lord Aldous Ardyn tot. Sein Sohn verschollen, vermutlich ebenfalls gefallen – der junge Lord, dem Bram vor wenigen Tagen noch "Gute Reise" gewünscht hat, an der Spitze einer Vorhut, die er kaum sechs Tage später nicht mehr wiedererkennen würde. Die Kharg siegreich wie nie zuvor.
Und unter den Überlebenden die Rede von einem Wort, das keiner laut sagen will: Verrat.
Bram Draven steht lange am Fenster seines Kommandoraums und blickt hinauf zu den Bergen, die seine Männer verschluckt haben. Er weiß, dass das, was er in der nächsten Nacht entscheidet, den Lauf der Dinge verändern wird – ganz gleich, wie er sich entscheidet.