Valmora Chronicles
Offene Entscheidungnoch 7 Tage 20 Std.

Vosks Weg nach dem Sieg

8. Hochsonne 297 n.G.

Vosk hat den ersten Kharg-Sieg seit Generationen errungen – doch der Vorsprung hält nicht ewig. Was tut er, bevor der Süden sich sammelt?

Aktueller Stand

Noch keine Stimmen abgegeben.

Jetzt abstimmen →
Offene Entscheidungnoch 18 Std. 24 Min.

Die Nachricht aus dem Kargzahn

7. Hochsonne 297 n.G.

Hält Ser Bram Draven die Nachricht von der gescheiterten Razzia zurück, um dem Norden einen Vorteil zu verschaffen, oder meldet er sie sofort nach Süden?

Aktueller Stand · 1 Stimme

Die Nachricht zurückhalten0%
Sofort nach Süden melden100%
Jetzt abstimmen →
Prolog··Aus Sicht von Corin Ardyn·📍 Kargpass

Ankunft der Überlebenden

Drei Tage später erreichen die ersten Versprengten die Nordfestung am Kargpass – ausgezehrt, halb wahnsinnig vor Erschöpfung, mit Geschichten, die sich kaum zu einem klaren Bild fügen wollen. Ser Bram Draven hört sich jeden einzelnen Bericht persönlich an, während seine Schreiber mitschreiben und seine Miene sich mit jedem Wort mehr verschließt.

Manche reden von Feuer, das aus dem Fels selbst gekommen sei. Andere von einem Donnern, das keine Lawine war. Bram lässt sie reden, ordnet nichts vorschnell ein – Männer, die dem Tod so knapp entronnen sind, erzählen selten dieselbe Geschichte zweimal. Doch was übrig bleibt, wenn man das Ungereimte beiseitelässt, ist schlimm genug: Lord Aldous Ardyn tot. Sein Sohn verschollen, vermutlich ebenfalls gefallen – der junge Lord, dem Bram vor wenigen Tagen noch "Gute Reise" gewünscht hat, an der Spitze einer Vorhut, die er kaum sechs Tage später nicht mehr wiedererkennen würde. Die Kharg siegreich wie nie zuvor.

Und unter den Überlebenden die Rede von einem Wort, das keiner laut sagen will: Verrat.

Bram Draven steht lange am Fenster seines Kommandoraums und blickt hinauf zu den Bergen, die seine Männer verschluckt haben. Er weiß, dass das, was er in der nächsten Nacht entscheidet, den Lauf der Dinge verändern wird – ganz gleich, wie er sich entscheidet.

Prolog··📍 Kargzahn

Der Hinterhalt

Es ist ein Sippenrat gegen jede Gewohnheit. Wenn die Menschen kommen, ziehen sich die Kharg zurück – in enge Täler, hinter Felsen, wo die Razzien ins Leere laufen und sich nach ein paar erschöpfenden Tagen selbst erschöpfen. So war es immer. Vosk hat sich gegen diesen Rat gestellt. Zu lange schon, hat er den Sippenoberhäuptern entgegnet, ziehe man sich zurück, nur um im nächsten Jahr wieder zu bluten. Nicht jeder folgt ihm. Genug tun es.

Der Fehler der Menschen ist klein, fast unscheinbar – eine falsch gelesene Schlucht, eine Vorhut, die zu weit vorausmarschiert, überzeugt von der eigenen Unbesiegbarkeit. Für Vosk und seine Krieger, die seit Tagen reglos in Position liegen, ist es die Öffnung, auf die sie gewartet haben.

Was dann geschieht, wird später in keinem der Berichte gleich erzählt – nur, dass es schneller ging, als irgendjemand für möglich gehalten hätte. Steine donnern von den Hängen und reißen die ersten Reihen der Vorhut auseinander. Und dann, mitten im Chaos, ein Geräusch, das keiner der Soldaten je gehört hat: ein Krachen, kein Steinschlag, kein Kriegshorn – ein Donner, der Rüstungen durchschlägt, als wären sie aus Stoff. Die neuen Feuerwaffen der Kharg-Schmieden, zum ersten Mal im offenen Kampf erprobt, treffen dort, wo Schild und Panzer bisher immer Schutz boten. Die Reihen, die sich sonst nach dem ersten Schock neu ordnen würden, finden keine Ordnung mehr.

Lord Aldous Ardyn fällt mit einem Großteil seines Heeres. Auch südliche Hauptleute bleiben in den Schluchten zurück – doch es sind vor allem die nordischen Reihen, die der Kargzahn an diesem Tag verschlingt, das Fußvolk, das Kargwacht gestellt hat. Sein Sohn Corin wird zuletzt an der Spitze der zusammenbrechenden Vorhut gesehen, das Schwert noch erhoben – dann verschluckt ihn das Chaos aus Staub, Schreien und einstürzendem Gestein.

Als sich der Rauch über dem Kargzahn legt, gehört der Tag den Kharg. Und während Vosk über das Schlachtfeld geht, weiß er: Das hier war erst der Anfang eines größeren Plans.

Prolog··📍 Kargzahn

Aufbruch in den Kargzahn

Bei Morgengrauen verlässt das Heer Valcortis. Vier Banner im Wind, viel Prunk für einen Marsch, der bald im Staub der Berge enden wird. Der Weg zum Kargzahn ist lang, doch die Stimmung bleibt gut – zu gut, wie manche der älteren Hauptleute im Stillen finden. Sie haben andere Razzien gesehen. Sie wissen, wie schnell aus Liedern Schweigen wird.

Der Zug erreicht Kargwacht, wo Ser Bram Draven die Festung hält. Hier, am nördlichen Ausgang des Passes, direkt an der Gebirgsgrenze, stößt das nordische Fußvolk zum Heer – wie es die Ordnung seit der Wahlmonarchie vorsieht: Der Süden stellt die Kommandanten, der Norden das Blut, das die Berge fordern. Bram selbst mustert die Neuankömmlinge mit dem geübten Blick eines Mannes, der zu viele Feldzüge kommen und zu wenige unversehrt zurückkehren sah. Zu Corin sagt er wenig – ein knappes "Gute Reise, mein Lord", ein Blick, der länger hängt als das Wort. Draven-Männer reden nicht viel. Sie merken sich stattdessen, was sie sehen.

Dann geht es weiter, tiefer ins Gebirge, abseits des Kargpass, dorthin, wo keine Karten mehr helfen. Corin Ardyn marschiert an der Spitze der Vorhut, entschlossen, sich vor seinem Vater und vor ganz Solmere zu beweisen. Er hat die Kharg nie kämpfen sehen. Die Männer aus dem Norden, die neben ihm gehen, haben es. Keiner von ihnen widerspricht ihm.

In den Bergen vor ihnen warten die Kharg, unsichtbar zwischen den Felsen, seit Wochen unterrichtet über jede Bewegung des Heeres, das sie für unbesiegbar halten.

Prolog··📍 Silberfurt

Das Festmahl

In den großen Hallen von Valcortis brennen die Kerzen bis tief in die Nacht. Lord Aldous Ardyn hat die Häuser Velmar, Corren und Thassil geladen, und der Wein fließt, als wäre der Sieg schon errungen. Man spricht vom Kargzahn, von den Grauen, die man endlich in die Schranken weisen wird, und von dem, was ein siegreicher Feldzug für die Thronfolge bedeuten könnte.

König Aldric III. fehlt an der hohen Tafel – zu schwach, heißt es offiziell, für eine lange Nacht des Feierns. Man spricht es nicht laut aus, doch an jedem Tisch wird gerechnet: Wenn selbst ein Bankett den König erschöpft, wie lange trägt ihn noch die Krone? Lord Berain Velmar hebt sein Glas eine Spur zu bedächtig auf "das Wohl Seiner Majestät", und Lady Miriel Corren nickt mit der stillen Feierlichkeit einer Frau, die ein Abkommen für heilig hält, das andere längst neu zu verhandeln bereit wären.

Am unteren Ende der Tafel beobachtet Lord Cassian Thassil das Geschehen mit der Ruhe eines Kaufmanns, der eine Ware taxiert. Sein Haus ist jung im Kreis der Geladenen, sein Anspruch auf mehr noch unausgesprochen – doch jeder Blick, den er zwischen Aldous und dessen Sohn wandern lässt, ist eine Rechnung. Schlägt sich Ardyn gut in dieser Razzia, festigt sich sein Anspruch auf die Krone. Schlägt er sich schlecht – nun, Häuser sind schon an kleineren Rissen zerbrochen. Sein Sohn Rendel findet noch vor dem Hauptgang einen Vorwand, sich an Verwalter Ilyan Sahren heranzumachen, der mit ruhigem Gesicht zwischen den Tischen für den reibungslosen Ablauf des Abends sorgt.

Corin Ardyn sitzt an der Seite seines Vaters, jung, ungeduldig, sichtlich stolz, zum ersten Mal ein eigenes Kommando zu führen. Später, abseits des Trubels, zieht Aldous seinen Verwalter kurz beiseite. Die Worte sind knapp: Ilyan soll sich um alles kümmern, solange er fort ist – um Elyan, um das Haus, um die niederen Häuser, die Ardyn die Treue halten. Es ist keine ungewöhnliche Anweisung vor einem Feldzug. Erst später wird man sich fragen, ob in Aldous' Blick in diesem Moment schon eine Ahnung lag.

Niemand in dieser Halle rechnet mit etwas anderem als einem kurzen, ruhmreichen Feldzug.