Valmora Chronicles
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Vorgeschichte: Sahen und Kharg

Bevor die Menschen kamen, bewohnten die Sahen nicht die Wüste, sondern das gesamte Gebiet des heutigen Solmere – die fruchtbaren Ebenen am Aurel, die heute Valcortis, Silberfurt und Goldhain tragen. Ein hochgebildetes, friedfertiges Volk mit reicher Kultur, das durch den Überfluss der Ebenen nie Mangel kannte. Diese Bildungstradition ist der eigentliche Ursprung dessen, was die Menschen heute als 'nützliche Fähigkeiten' an ihnen schätzen und ausbeuten – Wissen, das einst frei geteilt wurde, wird heute erzwungen in den Dienst der Unterdrücker gestellt. Regiert wurden die Sahen als Republik vom Sonnenrat (Solyn-Ashar), gewählt aus den gebildeten Ständen: die Lichtgeweihten (Priesterschaft, Hüter der Sonnenlehre), die Gelehrten (Lehrer und Verwalter des Wissens), die Weber (Handwerker, Künstler, Kaufleute) und die Erdgebundenen (Feldarbeiter – der niedrigste Rang, aber nicht verarmt). Die Sahen verehrten Solyra, die Sonne selbst als lebendige, wachsame Gottheit. Zentral war die Lehre vom Großen Brand: der Glaube, Solyra werde eines Tages alles verbrennen, würde sie nicht fortwährend besänftigt. Das äußerte sich in der Sonnenweihe, einem Ritual lebendiger Opfergaben – aus Sahen-Sicht keine Strafe, sondern eine heilige, freiwillig übernommene Pflicht Einzelner gegenüber der ganzen Gemeinschaft. Der Überlieferung nach drohte Solyra einst, alles zu verzehren, weil man ihr Licht als selbstverständlich hinnahm, bis eine Priesterin namens Nyra sich freiwillig als erstes Opfer anbot und Solyras Zorn für ein Jahrtausend besänftigte. Seither gilt die Sonnenweihe als Nyras Vermächtnis, nicht als Strafe. Ein sprachliches Detail: Die Namen Solmere und Solhaven, die die menschlichen Eroberer den Städten gaben, tragen unbewusst noch die Wurzel 'Sol' aus der Sahen-Sprache – ein Echo des verdrängten Volkes, das im Namen der eigenen Unterdrücker weiterlebt, ohne dass die Menschen es wissen. Nördlich des Kargzahn-Gebirges lebten die Kharg seit jeher in kleinen, sich selbst versorgenden Sippen ohne zentrales Gemeinwesen – kein Königtum, kein Rat, nur jeweils ein Sippenoberhaupt. Ein zutiefst pragmatisches Volk: Anders als die Sahen haben die Kharg wenig Sinn für Religion oder Prophezeiungen, ihr 'Glaube' liegt im Überleben selbst. Das nordische Land ist schroff, felsig, reich an Erzen, aber für Landwirtschaft kaum geeignet – ein ständiger Kampf gegen Wölfe, Höhlenbären und vor allem gegen die Frostgänger, riesige, mammutähnliche Herdentiere, deren Wanderungen gelegentlich ganze Sippendörfer auslöschten. Überlebende eines vernichteten Dorfes verteilten sich dann auf benachbarte Sippen. Gelegentliche Fehden zwischen Sippen legten sich meist nach kurzen Kämpfen wieder, ohne dauerhaften Hass. Einmal im Jahr trafen sich die verstreuten Sippen an einem einzigen festen Ort, um gemeinsame Anliegen zu besprechen – eine Mischung aus Ratsversammlung und großem Jahrmarkt, zu dem auch Sahen-Händler von jenseits des Gebirges anreisten. Sahen interessierten sich für Gold, Silber, Pelze, edle Kharg-Waffen und Steinschnitzereien; im Gegenzug brachten sie Lebensmittel, Gewürze und edle Stoffe in den Norden (im Süden dienten Kharg-Waffen dabei fast nur als Statussymbol, nicht zum Kampf – die Sahen waren ein durch und durch friedfertiges Volk). Dieser Versammlungsort wurde später zur Hauptstadt des Nordreichs und schließlich zu Aschkron, der Hauptstadt des vereinten Valmora unter Harn Maldrin (siehe 'Die Gründung Valmoras') – die verfluchten Ruinen, die dort heute liegen, stehen damit auf dem Boden eines einst neutralen, friedlichen Treffpunkts zweier Völker. Die Kharg waren – und sind, in ihren verbliebenen Siedlungen noch immer – außergewöhnlich kunstfertig in Stein- und Metallarbeit. Ihre größte Legende dreht sich um Sternmetall (Khar'tesh), ein seltenes Erz aus Meteoriteneinschlägen im Hochgebirge, aus dem legendär widerstandsfähige und schöne Waffen geschmiedet wurden. Der Sternenschmied: Ein legendärer Schmied namens Grom Sternfänger soll vor Generationen eine Klinge aus einem vom Himmel gefallenen Stern geschmiedet haben. Mit ihr einte er für kurze Zeit rivalisierende Sippen zu einem Bündnis, bevor die Klinge verschwand – manche sagen, sie liege noch tief im Kargzahn verborgen, andere, sie sei mit Grom selbst begraben. Die drei heutigen Kharg-Siedlungen Skarn, Ghrol und Rakhun sind nach den drei größten Sippen benannt, die sich einst um Groms Vermächtnis stritten – sie zählen zu den Sippen, die einen späteren Zusammenbruch überlebten und sich am tiefsten ins Gebirge zurückzogen. Die Aufnahme der Menschen und der Verrat: Als die schiffbrüchigen Menschen im Westen strandeten, wurden sie auch unter Kharg-Sippen aufgeteilt – hauptsächlich unter drei westlichen Sippen, deren Namen im heutigen Kargrad nicht mehr überliefert sind. Dort lernten die Menschen Handwerks- und Kampfkunst und pflegten regen Austausch mit ihren 'Kollegen' im Süden bei den Sahen – so entstand eine parallele Mischkultur, geprägt von Kharg im Norden und Sahen im Süden. Doch die Menschen bekamen weitaus mehr Kinder und wurden zahlenmäßig schnell überlegen; die Spannungen wuchsen, bis es zu offenem Kampf kam. Eine Sippe nach der anderen wurde von den einst aufgenommenen Menschen bekämpft, besiegt und verdrängt – die drei ursprünglich gastgebenden Sippen selbst gelten heute als verloren, vollständig in der Mischbevölkerung aufgegangen oder ausgelöscht. Erst die letzten, widerstandsfähigsten Sippen wurden endgültig ins Gebirge vertrieben. Die Kharg sehnen sich bis heute danach, in ihre alte Lebensweise zurückzukehren, doch die jährlichen Razzien halten ihre Population klein und versteckt. Die Menschen haben durch ihre organisierte Kampfkraft zudem die meisten Frostgänger-Herden fast vollständig ausgelöscht und die verbliebene Wildnis zurückgedrängt – ein stiller, kaum bemerkter zweiter Verlust neben der eigentlichen Vertreibung der Kharg selbst. Der Steinbund: Sahen und Kharg lebten über Generationen als Nachbarn über das Gebirge hinweg, mit begrenztem, aber beständigem Handel. Geschnitzte Grenzsteine entlang alter Passrouten markierten diesen nie schriftlich fixierten, aber über Jahrhunderte respektierten Frieden gegenseitiger Nichteinmischung. Heute erinnert sich keines der beiden Völker mehr bewusst daran – die Sahen sind versklavt und zersplittert, die Kharg auf wenige versteckte Sippen reduziert und im Krieg mit den Menschen. Die einstige Nachbarschaft zweier freier Völker überlebt nur noch in vereinzelten, kaum verstandenen Ritualresten.
Die Religion der Menschen: Der Sonnenthron →