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Die Lehrhäuser
Die Regel 'keine Nachkommen ab bestimmter Stellung' ist kein bloßes Gesetz, sondern wird von Kindesbeinen an durchgesetzt. Sahen-Kinder werden bis zu einem bestimmten Alter aus den Oasen oder aus versklavten Familien in die Lehrhäuser gebracht – Institutionen, die nach außen als Ausbildungsstätten für Verwalter, Lehrer und Hausbedienstete gelten. Nur Kinder unterhalb dieser Altersgrenze gelten als geeignet; ältere Kinder, die für eine Aufnahme nicht mehr infrage kommen, werden getötet.
In den Lehrhäusern erhalten die aufgenommenen Kinder tatsächlich eine fundierte Ausbildung – daher der Ruf der Sahen als gebildet und nützlich. Gleichzeitig werden sie körperlich unfruchtbar gemacht und systematisch umerzogen: Sie lernen, das eigene Volk als minderwertig zu betrachten, empfinden echte Dankbarkeit für ihre 'privilegierte' Stellung gegenüber dem Elend der Oasen oder der einfachen Sklavenarbeit, und verlieren jeden echten Bezug zu ihrer Herkunft.
Der aufgezwungene gemeinsame Nachname 'Sahren' ist dabei mehr als bürokratische Auslöschung der Familiennamen – er markiert eine neue, künstlich geschaffene Zugehörigkeit anstelle der verlorenen.
Das macht jede Figur mit dem Nachnamen Sahren – allen voran Meister Ilyan Sahren – erzählerisch vielschichtiger. Seine Ambivalenz gegenüber der Prophezeiung ist damit nicht nur eine Frage von Zynismus oder Glauben, sondern eine tiefere Identitätsfrage: Empfindet er überhaupt noch echte Verbundenheit mit den Sahen – oder wurde ihm genau das im Lehrhaus gezielt ausgetrieben?